Das Eigenleben der Stoffe
Ying Gao, die junge kanadische Modedesignerin bewegt sich zwischen Mode, Kunst und Technologie. In ihrer ersten Einzelausstellung ausserhalb Kanadas zeigt sie im «plug.in» in Basel fünf Kollektionen fragiler textiler Gebilde, denen unsichtbar komplexe technische Strukturen zu Grunde liegen.
Die beiden interaktiven Arbeiten «Walking City» und «Living Pod» reagieren auf ihr Umfeld: Bei «Walking City» genügt ein schwacher Lufthauch um die plissierten Stofflagen des Kleides in Bewegung zu bringen. Er lässt das Kleid im gleichen Rhythmus «atmen» wie der Betrachter. Bei «Living Pod» ist es der Lichtkegel einer Taschenlampe, der die Kontraktionen der gebauschten Organza- und Lederapplikationen bewirkt. Je nach Lichtintensität entfalten sich immer neue Formvarianten, poetisch und flüchtig. Die Ästhetik der Faltungen und Plissierungen ist angelehnt an die chinesische Papierfalttechnik. Die Schnitte und Drapierungen der Gewänder verstecken geschickt die elektronischen und mechanischen Bestandteile, die auf dem Unterkleid befestigt sind. Der visuelle Effekt ist faszinierend, etwas irritierend wirken hingegen die Geräusche die durch die Mechanik entstehen. Man würde sich lieber stille Bewegungen wünschen um sich der Illusion der lebenden Gewänder ungestörter hingeben zu können.
In drei weiteren Kollektionen spielt die 1973 in China geborene Ying Gao mit der unkonventionellen Nutzung von Software. Bei der Arbeit «Indice de lindifférence» zum Beispiel basieren die Masse der Schnittmuster, Nahtlängen und Winkel darauf, wie oft in zufällig ausgewählten Meinungsumfragen die Antwort «Keine Meinung» angeklickt wurde. Gao übersetzt die Statistik wie folgt: Drei «Keine Meinung» entsprechen drei Zentimetern. Die Kollektion findet einen Ausdruck für die Gleichgültigkeit zu Fragen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Die Ausstellungsform unterstützt die Aussage: Die zehn Hemden schweben an Kleiderbügeln im Raum und wirken wie Fähnchen im Wind, die sich vom leichtesten Luftzug drehen lassen.
Ausserdem zeigt die Ausstellung die Arbeit «(Uni)forms» bei welcher eine Morphing-Software die Schnitte entwarf sowie «Swiss Quality 1», eine Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Textilverband und fünf Schweizer Textilfirmen. (Text: Annina Weber, Bilder: Dominique Lafond)
--> Ying Gao Five Ways to Tell a Story about Fashion
--> Ausstellung bis 1. März, plug.in, Basel www.iplugin.ch
Veranstaltungen
Im Rahmen der Ausstellung finden zwei Vortragsabende zum Thema «Technologie trifft Mode» statt: Der Designer und Mechatroniker Moritz Waldemeyer berichtet über seine Zusammenarbeit mit dem Modemacher Hussein Chalayan. (12. Februar 2009, 18.30h). Martin Leuthold, Art Director von Jakob Schlaepfer spricht über die Verschränkung von Handwerk und Technik, sowie spezifisch über das Auftauchen und Verschwinden von elektronischen Technologien in seinen Kollektionen. (19. Februar 2009, 18.30h) . Teilnehmerzahl beschränkt, Anmeldung über: office@iplugin.org