Emission einer Ausstellung
Plug-in fordert Kunstszene zum Öko-Diskurs auf
interview: ANNETTE HOFFMANN
Mit Ökomedien und ökologischen Strategien in der Kunst befasst sich ein Projekt, das zuerst in Oldenburg und nun in zwei Teilen im Basler Plug-in zu sehen ist.
Ein wenig verdrückt steht Tue Greenforts Arbeit «Producing 1 kilogramm of PET requires 17,5 kilogramms of water» auf dem Boden des Plug-in. Augenscheinlich zeigt die geschrumpfte Plastikflasche, für deren Produktion mehr Wasser benötigt wurde, als sie jemals fasste, wie wenig nachhaltig unser Umgang mit Ressourcen ist. Das Objekt des dänischen Künstlers gehört zur Ausstellung «Ökomedien», die die Zürcher Kuratorin Yvonne Volkart zusammen mit Sabine Himmelsbach, der Leiterin des Edith-Russ-Hauses in Oldenburg, entwickelt hat.
baz: Neue Medien verbindet man nicht unbedingt mit Ökologie. Haben Sie schon die CO2-Bilanz der Ausstellung gemessen?
Sabine Himmelsbach: In Oldenburg haben wir am Compense-Programm eines Ökostrom-Anbieters teilgenommen und die gesamten CO₂-Emissionen der Ausstellung, des Transports und der Reisen erfasst. 27 Tonnen CO₂ kamen zusammen. Zum Ausgleich wurde in der Nähe von Oldenburg eine Fläche gepachtet und mit typischen Bäumen der Region aufgeforstet.
Yvonne Volkart: Ökologie meint ja nicht, dass man gar nichts mehr braucht. Wir haben Ökologie vor allem als Dialog mit der Umwelt verstanden und uns gefragt, welche Rolle die einzelnen Medien, der einzelne Mensch in diesem System spielt.
Nach welchen Kriterien haben Sie die Arbeiten ausgewählt?
Volkart: Am Anfang stand die Idee, Ökologie als Kommunikationssystem zu verstehen. Wir haben dann für ganz bestimmte Themen und Ideen Arbeiten gesucht. In Basel findet die Ausstellung in zwei Teilen statt, im ersten geht es um allgemeine Annäherungen an das Thema. Yonic thematisiert etwa Abfall als Ressource oder wir zeigen aktivistische und dokumentarische Ansätze, bei denen wir uns selbst einen Handlungsspielraum erarbeiten können. Franz John und Andrea Polli setzen neue Medien ein, um uns die Erde als Organismus sichtbar zu machen. Im zweiten Teil stehen Aspekte wie Nahrungsmittel, Verkehrswege und Energie im Mittelpunkt.
Die Ausstellung befasst sich mit ökologischen Strategien in der Kunst. Was kann die Kunst für die Umwelt tun?
Volkart: Unmittelbar kann die Kunst nichts tun, sie kann aber die Wahrnehmung verändern. Unser Ziel ist es, vom ausbeuterischen Umgang mit der Natur wegzukommen und sie anders erfahrbar zu machen.
Himmelsbach: Der Slogan des Künstlerkollektivs Free Soil lautet «The right to know». Es geht darum, Informationen durch das Internet nutzbar zu machen, eine internationale Vernetzung zu schaffen und lokal zum Mitmachen anzuregen.
Free Soil haben auch den Anspruch formuliert, Katalysator einer neuen sozialen und ökologischen Bewegung zu sein. Bildet sich hier eine neue Avantgarde?
Volkart: Im Bereich des Films und der Mode hängt das Thema den Leuten schon zum Hals heraus. Die Kunst ist da noch nicht so weit. Als wir das Projekt vor zwei Jahren planten, war Ökologie noch nicht so populär.
Himmelsbach: Wir waren Vorreiter, jetzt beginnt ein Diskurs zu dem Thema. Wir wollten aber keine Arbeiten zeigen, die den Ist-Zustand einer zerstörten Welt dokumentieren, es geht uns um die Wahrnehmung und ein Umdenken.
> Plug-in, St. Alban-Rheinweg 64, Basel. 1. Teil bis 17. Februar. 2. Teil 21. Februar bis 23. März. Mi–So 14–18 Uhr. www.iplugin.org
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