Basellandschaftliche Zeitung/Kultur, zu Diplomarbeiten Patrik Juchli, Michael Huber, 04.10.03


    Technologie und Nachdenklichkeit
    Zwei Diplomarbeiten des Jahrgans 2003 von Studierenden des Lehrgangs HyperWerk der Fachhochschule beider Basel werden derzeit im Forum für Neue Medien gezeigt. Die Ausstellung dauert bis am 12. Oktober.



    Zwei von insgesamt 18 Absolventen des Basler Lehrgangs für Gestaltung, Technik, Management und Interaktion HyperWerk der Fachhochschule Beider Basel präsentieren wahrend zehn Tagen ihre Abschlussarbeiten im Forum für Neue Medien [plug.in] am St. Alban-Rheinweg. Michael Huber setzt sich in seinem Projekt «Enter Propaganda» mit den Tagebucheinträgen des deutsch-jüdischen Philologen Victor Klemperer auseinander.

    In einer interaktiven räumlichen Inszenierung werden die Benutzerinnen und Benutzer der. Installation in die Gedankenwelt Klemperers hineinversetzt. Mittels zweier Navigationsmöglichkeiten kann man sich im künstlichen Raum auf dem Bildschirm fortbewegen, über den aufgesetzten Kopfhörer sind an bestimmten Stationen auf der virtuellen Reise einzelne vorgetragene Tagebucheinträge Klemperers zu hören.

    Die für das Projekt verwendete Technologie beruht auf jener von «Kriegsspielen», in denen üblicherweise mit dem Navigator Schüsse auf den Bildschirm abgegeben und künstliche Individuen getötet werden. Michael Huber wendet die normalerweise martialische Umgebung und die für sie eingesetzte Technologie um und benutzt sie, um Nachdenklichkeit und Reflexion über historische Tatsachen und beängstigende politische und gesellschaftliche Tendenzen zu erzeugen.

    Ein ganz anderes Projekt stellt Patrick Juchli mit seiner. interaktiven Filminstallation «Draussen» vor. In einem auf den ersten Blick konventionellen Filmgeschehen wird von einem Jungen erzahlt, der zusammen mit anderen Kindern auf einer Wiese spielt. Auffällig am Gezeigten ist scheinbar einzig das wiederholte Herausfallen des Kindes aus seinem Spiel, das Hin und Zurück der Einstellungen, das Springen der Szenen. Die «Losung» des Rätsels findet sich in den Zuschauerreihen, wo jeweils eine Person das filmische Geschehen in Echtzeit durch ihre Atembewegungen beeinflusst. Verwendet wurde für diesen Effekt ein berührungsloser Atemsensor aus der Medizinaltechnik und ein eigens entwickeltes Computerprogramm.

    © Basellandschaftliche Zeitung 2003