Karen N. Gerig, Basler Zeitung, zu neue Kulturplattform Reagioartline.org, 17.07.04

    Kulturzeitschriften erhalten Konkurrenz aus dem Internet
    Zeitgenössische Kunst im Raum Basel, Freiburg und Strassburg bekommt auf dem Internet eine neue Plattform. Regioartline.org nennt sich die trinationale Initiative, die grenzübergreifend und tagesaktuell in Deutsch und Französisch über Kunst in der Region berichtet.

    Das Projekt selbst ist nicht mehr so jung wie sein noch unfertiger Homepage-Auftritt: Seit einem Jahr wird fleissig gearbeitet - in Basel einerseits, aber auch in Strassburg und in Freiburg im Breisgau, wo die Idee in den Köpfen des artforum3, einer Gruppe Kulturschaffender, bereits zwei Jahre früher geboren worden war: Man machte sich auf die Suche nach Partnern und fand sie im elsässischen Réseau d’Art Rhenan (RARweb) und im baslerischen Plug-in. Gesponsert wird Regioartline.org durch Interreg-Förderprojekte der EU sowie durch Beiträge der beiden Basler Halbkantone.

    Die Initianten des ursprünglichen Projektes waren vordergründig an einer Plattform für kulturelle Events interessiert und wollten zu einer stärkeren Vernetzung der Region beitragen. Die Basler Sektion hat ihren Fokus auf eine kritische Kunstberichterstattung mit Akzent auf den Neuen Medien gelegt und will laut Redaktorin Annina Zimmermann in Zukunft auch vermehrt eigene, auch kulturpolitische Themen lancieren und in einem Forum diskutieren. Im Moment jedoch muss sich der Homepage-Benutzer noch mit dem Lesen und Kommentieren einzelner Artikel begnügen. Am 9. September soll die fertige Website dann festlich eingeweiht werden - inklusive einem Kunstportal, das mittels eines Künstlerverzeichnisses und einem Veranstaltungskalender die regionale Kunst- und Medienszene fördern will.

    Die Vorteile des Mediums Internet für die Realisierung des Konzeptes sind schnell ersichtlich: Keine Platzprobleme und ein niedriger Kostenaufwand, ein unendlicher Archivspeicher, auf den der Benutzer via Recherchetool jederzeit zugreifen kann, ebenso wie die vielgepriesene Interaktivität und weitläufige Verlinkungsmöglichkeiten. Allerdings: «Im Moment müssen wir die Leute noch dazu erziehen, Informationen aus dem Netz zu holen und dort kritische Reflexionen zu lesen», räumt Annina Zimmermann ein. Sie zeigt sich aber überzeugt, dass sich diese Gewohnheit schnell aufbaue: «Gerade das kulturelle Publikum ist an und für sich den Neuen Medien gegenüber aufgeschlossen und reagiert auch darauf.»

    Die Website ist in der Tat sehr benutzerfreundlich gestaltet. Die Eingangsseite bietet mittels kleiner Bilder und einem Textbeschrieb die direkte Verlinkung mit dem gewünschten Artikel - ein Klick genügt: Aktuell, Neue Medien, Termine, Porträts und Publikationen sind die wichtigsten Kategorien. Dazu kommen Links ins Archiv, das Internet ist geduldig und speichert einmal veröffentlichte Texte beliebig lang. Ungeübte finden dank der übersichtlichen Gestaltung ihre Informationen schnell. Erst in einem zweiten Schritt kann via Links tiefer in die Materie eingetaucht werden.

    Man könnte das ambitionierte Projekte als Kampfansage an die traditionellen und schwerfälligeren Printmedien verstehen. Annina Zimmermann jedoch versteht das Regioartline-Projekt eher als Ergänzung zu Kunstmagazinen und Tagespresse denn als Konkurrenz. Sie ist überzeugt, dass beide Seiten voneinander profitieren könnten: «Ich jedenfalls hoffe auf eine fruchtbare Reibung, hier in Basel natürlich mit der BaZ. Es ist doch viel spannender, wenn zu einem Thema mehrere Meinungen veröffentlicht werden.»

    Im Gespräch ist sie momentan auch mit den Redaktoren von «Subtext», die im letzten Jahr die Bewohner Basels via Internet zum Dialog über das Kulturgeschehen aufgefordert hatten. Sie möchte gewisse Diskussionen aus «Subtext» weiter verfolgen. «Es bringt doch nichts, über Missstände zu jammern. Wir versuchen lieber, selbst initiativ zu sein», sagt Zimmermann. Der Anfang also ist gemacht, die Diskussion lanciert. Auf die Zukunft darf man gespannt sein.

    Karen N. Gerig