Walter Brack: «Unsere Kritik hat nichts gebracht»
WIE DIE CHRISTOPH MERIAN STIFTUNG IHREN AUSSTIEG AUS DEM VIPER-FESTIVAL BEGRÜNDET
baz: Herr Brack, die Christoph
Merian Stiftung (CMS) steigt übernächstes Jahr aus der Viper aus. Kommt dieser Ausstieg für die Festival-Leitung aus heiterem Himmel?
Walter Brack: Nein, gar nicht. Wir haben seit vier Jahren unsere Kritik angebracht und diese der Festival-Leitung auch mitgeteilt. Gebracht hat das aus unserer Sicht aber nichts. Letztes Jahr zum Beispiel wurde das Programm erst einen Tag vor Beginn der Viper veröffentlicht. Das geht einfach nicht.
baz: Neben organisatorischen Mängeln werfen Sie der Viper-Leitung vor, das Festival zu wenig zu verankern, zu wenig Präsenz zu zeigen. Hängt das mit der Besucherzahl zusammen?
WB: Ja, sicher auch. Die Resonanz – gerade bei den Jungen –ist sehr klein geblieben.
baz: Mehrheitsfähig ist die Medienkunst aber nicht. Hegen Sie nicht einfach unrealistische Erwartungen?
WB: Sicher hat es die Medienkunst schwerer als andere Kultursparten. Das Festival ars electronica in Linz zum Beispiel ist jedoch viel populärer und besser verankert. Allein mit einer anderen Sprache oder besserer Kommunikation könnte die Viper viel erreichen. Die Öffentlichkeit könnte besser abgeholt werden.
baz: Hätten Sie statt einem Ausstieg nicht einfach einen Wechsel in der Festivalleitung fordern können?
WB: Das liegt nicht in der Kompetenz der CMS, sondern wäre Sache des Vereinsvorstands.
baz: Und was wäre, wenn sich Sprache und Kommunikation in den kommenden zwei Viper-Ausgaben ändern würden – wäre ein Wiedereinstieg möglich?
WB: Nein. Da ist ein definitiver Ausstieg sicher legitim.
baz: Was bedeutet der Ausstieg aus der Viper für die Förderung der Medienkunst bei der CMS allgemein: Ist auch das plug.in in Gefahr, das Sie mit jährlich 125000 Franken finanzieren?
WB: Nein, das plug.in steht nicht zur Debatte.
baz: Ist denn seine Wirkung so viel grösser und die Verankerung so viel besser?
WB: Ein externer Evaluationsbericht hat festgestellt, dass das plug.in lokal wie auch national eine sehr hohe Akzeptanz geniesst. Mit relativ wenig Aufwand erreichen wir hier konstant über das Jahr sehr viel.
baz: Abgesehen davon –wie wird die CMS in Zukunft die Medienkunst gewichten?
WB: Sie ist – neben Literatur, Film und Bildender Kunst – in unserer Mittelfristplanung einer der Förderungsschwerpunkte. Wir werden weiterhin Mittel dafür zur Verfügung stellen.
baz: Mehr oder weniger als die 275000 für die Viper, die wegfallen werden?
WB: Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir warten erst einmal die Machbarkeitsstudie zu den Neuen Medien in Basel ab, die wir zusammen mit dem Ressort Kultur des Erziehungsdepartements in Auftrag gegeben haben.
baz: Was war zuerst –der Entschluss zum Ausstieg oder die Idee zur Machbarkeitsstudie?
WB: Unser Ausstiegsentscheid ist unabhängig davon gefallen.
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