Karen N. Gerig, Basler Zeitung, zu Espace Multimédia Gantner, 07.04.09

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    Espace Multimédia Gantner im Plug-in


    Medienkunst-Sammlungen sind rar. Eine davon wird seit einigen Jahren in einem Dorf bei Belfort aufgebaut. Das Plug-in zeigt eine Auswahl von Arbeiten daraus.
    Eine Stunde von Basel weg, im 2000-Seelen-Dorf Bourogne bei Belfort, befindet sich ein wichtiges Medienkunstzentrum Frankreichs. Gestiftet wurde es im Jahr 2001 vom französischen Maler Bernard Gantner und auch nach ihm benannt: Espace Multimédia Gantner. Zeitgenössisches Kunstschaffen und Kunstpraktiken sollen einem möglichst breiten Publikum zugänglich und verständlich gemacht werden. Dazu investierte man in eine grosszügige Mediathek und eine umfassende Bibliothek.
    Im Gegensatz zum Basler Medienkunstraum Plug-In setzt der Espace Gantner auch auf den Aufbau einer Sammlung. 
    Ein erster Teil mit 35 Werken wurde von Jean-Damien Collin und Bertrand Gauget kuratiert. Viele der Arbeiten befinden sich auf interaktiven CD-ROM. Die silbrigen Scheiben waren in der Kunst der 1990er-Jahre sehr verbreitet, sind heute aber praktisch verschwunden. Das Internet hat der CDROM den Rang abgelaufen. Nostalgie.
    So kommt es nicht von ungefähr, dass etwas Nostalgie mitschwingt, wenn man sich nun im Plugin einen Teil der Espace-Gantner-Sammlung ansieht.
    Elf Werke aus den Jahren 1994 bis 2002 hat das Plug-in ausgewählt, von Medienkunstpionieren wie Philip Pocock oder MichaelMandiberg bis hin zu Künstlern wie Tony Oursler oder Valie Export, die das Medium CD-ROM nur ausnahmsweise für ihr OEuvre verwendeten. 
    So verschieden die Künstler,  so variantenreich ihre Darstellungen.
    Während Mandiberg in linear-narrativem Stil einen Wohnungs- und Identitätentausch auf Video dokumentiert, arbeitet Martin Le Chevallier mittels nicht linearer Navigation nur über Textzeilen, durch die man sich klickt.  Valie Export nutzt die CD-ROM als Speicherort für ihre bereits bestehenden Video- und Foto-Arbeiten: Man erkundet sie auf spielerischem Weg mittels Querverweisen. Spannend auch die Arbeit von Pocock und Felix Stephan Huber.  Sie erfanden 1996 quasi den ersten Reiseblog: Sie streamten live ihr Online-Reisetagebuch aus dem Norden Kanadas, mit kürzesten Acht-Sekunden-Filmchen, Texten und Fotos – zu einer Zeit, als viele noch keinen Zugang zum World Wide Web besassen.
    Banlieue. Das Erkunden der Arbeiten gleicht in manchen Fällen dem Navigieren durch ein Computerspiel. Julien Alma und Laurent Hart haben sich dessen Mittel ganz zu eigen gemacht und lassen als Spielfiguren fiktionalisierte Bewohner einer Banlieue aufeinander losgehen. Meistens aber lehnen sich die Arbeiten an die Strukturen von Archiven an.  
    Individuelle oder fiktive Geschichten werden mit kollektiver Zeitgeschichte
    verknüpft. Der Weg durch das Plug-in ähnelt auch darum einer Reise in die Vergangenheit. Und nicht zuletzt führt er die Besucher zurück in die Anfangszeiten des Basler Medienraumes, der im Jahr 2000 gegründet wurde.