Karen N. Gerig, Basler Zeitung, zur Museumsnacht, 22.01.05

    IN DER NACHT AUF HEUTE LUDEN DIE MUSEEN ZUM VERGNÜGUNGSTANZ
    Auch die fünfte Ausgabe der Museumsnacht bot am Freitag das gewohnte Bild: Viele Menschen, viel Kunst und Kultur, und vor allem Spass im Programmhefttakt.

    Viertel vor sechs in der Basler Innerstadt: Vereinzelte Menschen mit Tüten wieseln über den Barfüsserplatz, steigen ins Tram und fahren heim. Wenig deutet darauf hin, dass fünfzehn Minuten später ein Ereignis beginnen soll, das Basels Gassen mit Menschenströmen füllt. In der Martinsgasse ein erster Hinweis darauf: Ein deutsches Pärchen - in der Hand ein verräterisch querformatiges, blaues Büchlein - versucht sich zu orientieren: «…aber dann müsste das Museum der Kulturen doch da hinten sein.» Recht haben sie, und an ihrem Zielort stehen die ersten Menschentrauben bereits artig an. Offenbar ist man sich im fünften Jahr der Museumsnacht bewusst, dass alle geduldig sein müssen, die bis in die Museen vordringen möchten.
    So ist es auch im Jahr 2005, die Schlange vor dem Museum der Kulturen wird während der Nacht nicht kürzer und drinnen trampeln sich die Besucher auf den Füssen herum. Dabei hatte alles so besinnlich begonnen: Beim Abendgottesdienst im Münster stimmten die Anwesenden noch eher leise das Lied «Der Mond ist aufgegangen» an - eine Hommage an das Logo des Veranstalters?

    Spieltrieb. Die Lust auf Abwechslung treibt uns weiter Richtung St.-Alban-Tal. Während zwei zwölfjährige Jungs scheu das Plug-In und die dortigen Videospiele suchen, lassen wir uns vom grell blinkenden Umleitungspfeil ins beinahe kunst-leere Museum für Gegenwartskunst locken. Nur wenige Installationen wecken den Spieltrieb des Publikums und lassen es etwa mittels Handwärme Gedichte manipulieren. Sonst hat die Kunst für einmal mehreren Lounges Platz gemacht. Noch ist hier zu wenig los, aber dies ist definitiv ein Ort, der für spätere Vergnügungen auf der Liste bleibt.

    Eine Comiclesung im Karikaturmuseum folgt einem Jubiläumspreisspiel, bei dem eine glückliche Gewinnerin von einer als Osterhase verkleideten Schauspielerin den Preis entgegen nehmen durfte: eine Führung hinter den Kulissen des Naturhistorischen Museums. Zeit für eine kreative Pause im Kunstmuseum, wo das Basler Ballett sich als tanzendes impressionistisches Gemälde gibt. Dann wieder raus auf die Strasse, das obligate blaue Büchlein in der Hand und die Frage auf den Lippen: Und wohin denn jetzt?