Phantastomobil
«Any Affair» im Medienforum «[plug.in]»
Schon einmal haben Künstler versucht, Grenzen der eigenen Disziplin zu überschreiten. Gropius träumte von einem «Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt» sein wird, und Klee von einem Bild als Spiegel des Ganzen. Just in einer Zeit ungeahnter Spezialisierung nähern wir uns diesen Supergebilden mehr denn je: Fotografien und Videos werden zu Gemälden, Installationen zur Performance, Skulptur zu Architektur und umgekehrt.
Dennoch klingt ein «Musik-Bau-Spiel-Automat» noch immer wie ein Phantastomobil. Buntes Flimmem, Klingen, Entertainment? Keineswegs. Tatsächlich blinkt das Wunderwerk der Technik im Basler Medienforum «[plug.in]» wild vor sich hin und weckt kindlichen Ehrgeiz, kunstvolle Bauklötzchengebilde zu konstruieren. Vom blossen Kinderspiel ist man bei «instant city» jedoch weit entfernt.
Was Sibylle Hauert, Daniel Reichmuth und Volker Böhm von der Performancegruppe «Any Affair» mit der Finanzspritze des Kunstkredits Basel-Stadt geschaffen haben und nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentieren, ist eine gelungene Verknüpfung von digitaler Kunst, Bauwerk, Skulptur und Musik. Gleich einer umgedrehten Stufenpyramide ragt die Spielflache in den Raum. Jeder Spieler darf so viele der halbtransparenten Bauklötze auf die Fläche setzen, wie er will. Türme, Mauem, Häuser wachsen in den Himmel- eine Stadt entsteht. Die milchigen Klötze filtern das Licht, das von einem Sensor erfasst wird, und aktivieren somit unterschiedliche Tonfolgen.
Acht Musikerinnen und Musiker haben für «instant city» Stücke komponiert, die man als Klangkulisse für seine «Stadt» wählen kann. Alltagsgeräusche mischen sich mit Klassik, Kindergebrabbel, Lautmalerei. Am Ende steht ein Gebilde, das den Traum der drei Basler Künstler erfüllt, wie Sibylle Hauert sagt: «Wir wollten die Leute verführen.»
Marion Benz
© Basler Agenda 2003