Freizeitland (SONOgames)
Nach den Ausflügen ins Unter- und Überirdische wirds wohl Zeit, sich mal wieder auf den Boden schnöder Alltäglichkeit zurückzubegeben.
Also ab in die eigenen vier Wände und dazu das als Mantra das Motto "Trautes Heim - Glück allein" gemurmelt?
Nunja, ganz so einfach wollen wir es uns auch nicht machen.
Schliesslich kursiert nicht umsonst schon seit einigen Jahren die Parole vom "Intelligenten Ambiente": Also dem klugen Kühlschrank in der Küche, der kurz bevor die Milchvorräte zuende gehen Alarm schlägt, dem Bett, das uns liebevoll in den Schlaf singt oder über untreue Lover hinwegtröstet, und vorab natürlich der Eingangstür, die zwischen Freund und Feind zu unterscheiden weiss. Oder so ähnlich.
Allerdings sind die meisten der phantasievolleren Vorstellungen vom selbstdenkenden Haus aus guten Gründen bzw. mit Blick auf nahe liegende Unwägbarkeiten bislang Science Fiction geblieben (hallo HAL!).
Gleichwohl: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
Im Basler [plug.in] - das seinerseits mal programmatisch als öffentliches Wohnzimmer mit Netzanschluss startete und noch heute eine entsprechend benamste Veranstaltungsreihe pflegt - sind derzeit Niki Neeke und Gilbert Engelhard mit ihrem Projekt SONOgames zu Gast.
Unter diesem Dach beschäftigen sich die beiden schon seit einiger Zeit mit interaktive[n] Computerspiele[n], die den Besucher in künstliche Welten versetzen, in denen sich dieser explizit nur anhand von Klangereignissen und Klangveränderung orientieren soll.
Klingt nach schwerem VR-Geschütz, für dessen Erleben man sich erst mal ein kiloschweres Häublein überstülpen und eine Datenhandschuhpranke anziehen muss, um dann wie weiland Don Quichote zur allgemeinen Belustigung der Aussenstehenden in einem leeren Raum gegen simulierte Windmühlenflügel anzutreten? Weit gefehlt.
In der aktuellen Aussellung der beiden - die nicht von ungefähr "Leisureland II", also ganz gemütlich: Freizeitland heisst, fühlt es sich beinahe wie zuhause an. Beinahe, denn mutmasslich verfügt dann doch nicht jede/r daheim über ein derart respektables Trödelarsenal. Jedenfalls warten allerlei mehr oder weniger gewöhnlich ausschauende Dinge darauf, einer mehr oder weniger gewöhnlichen Nutzung zugeführt zu werden. Um dann allerdings mit der einen oder anderen Überraschung aufzuwarten. Das Wohnzimmermobiliar erweist sich nämlich als veritable Klanginstallation.
Unglaublich in diesen Zeiten, aber scheinbar Tatsache, dass weder Neeke noch Engelhard noch das Projekt selber über eigene Heimseiten verfügen. Aber Neugierig gewordenen lassen sich doch ein paar Empfehlungen weitergeben:
Hintergründe zum SONOgames-Konzept sind beispielsweise in der Studienarbeit nachzulesen, die Niki (damals noch mit ck?) Neeke 2000 am Basler Elektronischen Studio verfasste.
Und wer zusätzlich zu diesen werbenden Worten noch ein paar Bilder aus der Ausstellung zum Anfixen braucht und/oder sich eine kleine Einführung zu Gemüte führen möchte, dem bzw. der sei wärmstens der Artikel über Leisureland II empfohlen, den Annina Zimmermann für Regioartline geschrieben hat.
Ansonsten aber lautet die Parole: Ab ins [plug.in] und das Freizeitland selbst geniessen - denn das geht nur noch bis einschliesslich dieses Wochenende (26.02.06).
Besonders bietet sich ein Besuch am morgigen Donnerstag (23.02.) an. Dann werden Neeke und Engelhard nämlich in einem Künstlergespräch Näheres über SONOgames berichten und zu "Leisureland II" Rede und Antwort stehen.