Der «Viper» geht es an den Kragen
CMS UND KANTON WOLLEN DIE MEDIENKUNST AB 2006 NICHT MEHR PRIMÄR VIA EIN FESTIVAL FÖRDERN
Das Festival für Film, Video und neue Medien, «Viper», dürfte ab 2006 ein Drittel seines Budgets verlieren. Kanton und CMS wollen den Geldhahn zudrehen, falls sich das Festival nicht gewaltig wandelt.
Mangelnde Verankerung in der Stadt, gravierende Mängel in Organisation und Kommunikation und – last but not least – fehlende Vernetzung mit den anderen Institutionen im Bereich Neue Medien: Die Liste der Vorwürfe, mit der sich die Organisatoren des «Viper»-Festivals seit ihrem Umzug von Luzern nach Basel herumzuschlagen haben, ist ebenso lang wie bekannt. Nachdem die öffentliche Kritik an der mangelnden Breitenwirkung des Festivals wenig gefruchtet hat, schreiten nun zwei der Hauptgeldgeber, die Christoph Merian Stiftung (CMS) und die Kulturabteilung des Kantons Basel-Stadt, zur Tat. Die CMS machte gestern publik, dass die Medienkunst zwar weiterhin ein Schwerpunkt in ihrer Kulturförderpolitik bleiben wird, die «Viper» aber ihren bisherigen Beitrag von 275000 Franken jährlich nur noch bis Ende 2005 erhält.
Gnadenfrist. Diese gut einjährige Gnadenfrist ist nicht zufällig gewählt, denn auf diesen Zeitpunkt läuft auch der Subventionsvertrag des Kantons in gleicher Höhe aus. Für den Basler Kulturverantwortlichen Michael Koechlin ist klar, dass sich mit dem CMS-Entscheid die ohnehin chronisch unterfinanzierte «Viper» grundsätzlich neu orientieren muss, wenn sie überleben will.
Statt viel Geld in ein auf wenige Tage befristetes Festival zu stecken, wollen CMS und Kanton ihre Fördermittel für Medienkunst in Zukunft besser verteilt über das ganze Jahr einsetzen. Bereits im Juni lud das Ressort Kultur das «plug.in», das Institut für Medienwissenschaften, die Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK), HyperWerk und all die anderen Institutionen, die sich in Basel im Bereich Neue Medien engagieren, zu einem Hearing. Zusammen mit den «Viper»-Verantwortlichen wurde dabei diskutiert, wie die knappen Fördermittel in Zukunft effizienter eingesetzt werden können.
Am Hearing wurde be-schlossen, bei Professor Giaco Schiesser eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, die zeigen soll, wie all die oben erwähnten Institutionen zusammenspannen könnten. Der Leiter des Departementes Medien und Kunst an der HGK Zürich, der die Probleme der «Viper» von seiner Jury-Tätigkeit her bestens kennt, muss bis spätestens Ende Jahr konkrete Vorschläge abliefern.
Vernetzung unbestritten. Schiessers Bericht soll dann als Entscheidungsgrundlage für die weitere Subventionspolitik dienen. Michael Koechlin hofft, dass er erste Erkenntnisse aus der Studie, auf die sich auch die CMS bei der Vergabe ihrer Mittel stützen wird, bereits bei der «Viper 04» im November präsentieren kann. Für Koechlin ist jetzt schon klar, dass die Entwicklung bei der «Viper» in Richtung permanente Präsenz übers Jahr gehen sollte, allenfalls kombiniert mit einer «Biennale».
Rebecca Picht, die seit letztem Jahr das Festival zusammen mit Annika Blunk leitet, sieht Schiessers Bericht gelassen entgegen. Eine stärkere Vernetzung sei ohnehin ihr Ziel und der Forderung, die unbestritten guten Angebote müssten besser kommuniziert werden, habe man bereits dieses Jahr Rechnung getragen.
Letztes Mal sei vieles schief gelaufen, weil man ein Defizit von den Vorgängern habe abtragen müssen. Picht ist überzeugt, dass das Festival auch ohne die 550000 Franken von Kanton undCMS überleben wird: «Die beiden Beiträge machen je einen Sechstel unseres Budgets aus. Wenn diese ganz wegfallen würden, was ich nicht glaube, müssten wir uns neu orientieren. Dank anderer Geldgeber könnten wir aber auf jeden Fall weitermachen.»
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