Kunst für 75 Rappen
Willkommen im Sprachwahlmodus. Für Deutsch drücken Sie bitte die Taste Eins. Für Englisch... Wer kennt sie nicht, die lästigen Telefonansagen und endlosen Warteschlaufen. Jan Torpus hat aus dieser Plage ein audiovisuelles Projekt gemacht. „Telcom Gallery“ ist ein ironischer Vorschlag, wie Kunst mittels kommerzieller Telekommunikationsstrategien verkauft werden könnte.
So funktioniert Telcom Gallery: Mit dem eigenen Mobiltelefon wird eine kostenpflichtige Nummer gewählt. Das Handy dient fortan als Fernbedienung und Kopfhörer gleichermassen. Per Tastendruck können Videoszenen, die an berühmte Gemälde angelehnt sind, etwa Arnold Böcklins «Selbstbildnis mit fiedelndem Tod», auf einem Screen aktiviert werden.
Den Tod küssen
Zu jedem «Gemälde» sind vier Szenen wählbar. Die Nachstellung der Bilder ist äusserst authentisch. Die Videoszenen greifen historische Geschehnisse auf und sind meist sehr witzig. So beginnt etwa Arnold Böcklin in einer Szene plötzlich den fiedelnden Tod zu küssen. Torpus will mit seinem Projekt die Kommerzialisierung der Kunst in Frage stellen. «In vielen Bereichen der Kunst geht es heute nur noch um Geld»,sagt Torpus. Und da dies so sei, warum solle man Kunst nicht auf die gleich einfache Weise anpreisen wie Pornografie? Jeder Anrufer zahlt 75 Rappen pro Minute.Man kauft quasi Kunst pro Zeiteinheit. Sobald jemand rund sechseinhalb Minuten telefoniert hat, wird er von einer elektronischen Stimme dazu beglückwünscht, dass er nun fünf Franken Kunst konsumiert habe.Bei zehn Franken erhält man sogar eine DVD. Zwei Mal hat Torpus die Telcom Gallery bereits ausgestellt. Die Reaktionen waren unterschiedlich. «Die Leute haben spürbar Angst, eine 0900Nummer zu wählen», sagt Torpus. Bislang sei noch keiner zehn Minuten in der Leitung geblieben.
Kloschüsseln designen?
Nach der Matura hat Torpus in Barcelona Innenarchitektur studiert. Doch bald schon hat der heute 39Jährige gemerkt, dass Innenarchitekt nicht seine Berufung ist: «Ich wollte keine Kloschüsseln für Reiche designen.» Torpus entdeckte die audiovisuelle Kunst und bildete sich auf diesem Gebiet weiter. Inzwischen unterrichtet er als Dozent an der Hochschule für Gestaltung und Kunst. Letztes Jahr erhielt er den Forschungspreis des Kantons Baselland. Ueber die Jahre wurde er an internationale Multimedia Festivals eingeladen. Der Computer sei für ihn eine Art Pinsel geworden. «Ich bekomme immer mehr Gefühl und kann mittlerweile richtig skizzieren.»