Pia Zeugin, Basellandschaftliche Zeitung, zu Exonemo - UN-DEAD-LINK, 13.6. 2008

    Avatars Anrecht auf den Todeskampf

    Medienkunst
    Die Ausstellung «Un-Dead-Link» des japanischen Künstlerduos Exonemo im «plug.in», im Basler Kompetenzzentrum für neue Medien, zeigt frappierende Aspekte virtueller Welten.

    Bis zu 120 Besucher täglich konnte das Basler Kompetenzzentrum für neue Medien und Kunst, das «plug.in», während der Art Basel begrüssen. Ungewöhnlich viel: «Das liegt vermutlich an der Künstlergruppe Exonemo», sagt plug.in Direktorin Annette Schindler. Sie hat an der Liste 08 deren Arbeit DanmatsuMouse vorgestellt, in welcher Computermäuse auf verschiedene Art und Weise zerstört werden. Erst wenn sich der Cursor nicht mehr bewegt ist die Maus wirklich kaputt, tot. Der Tod ist das Thema der aktuellen Präsentation der Künstler im «plug.in».

    Exonemo gilt als Star der Medienkunstszene, vor allem seit das Künstler-Duo den Nam June Paik Award 2004 erhielt und die Auszeichnung der ars electronica 2006. Seit 1996 beschäftigen sich die zum Designer und zur Bildhauerin aus- gebildeten Sembo Kensuke und Yae Akaiwa mit dem Internet, um es für Kunstprojekte zu nutzen. Viele Netz-Projekte sind auf ihrer Homepage unter www.exonemo.com einsehbar, für den öffentlichen Raum wurden sie zum Teil weiterentwickelt, als Live-Performances und zu Installationen.

    «Un-Dead-Link» ist eine Installation über zwei Stockwerke, die die reale auf die digitale Welt bezieht. Aus der Software des Computerspiels «Half-Life 2» mit kämpfenden und tötenden Kunstmenschen, Avatare genannt, hat Exonemo ein neues Szenario entwickelt: die Avatare im Untergeschoss des «plug.in» sollen nicht einfach sterben, ohne etwas zu hinterlassen. Der Tod ist jetzt hörbar, denn ein Midi-gesteuertes Klavier spielt einen Ton. Manchmal löst er auch ein Klappern in einem Aktenkoffer aus oder bringt den Schredder in Bewegung, zündet ein Licht an oder lässt ein Tonband spielen. Wenn der Besucher den roten Knopf drückt sterben alle Avatare und das Klavier spielt viele Töne.

    Was soll das, fragt sich der Besucher? Die Lust am Spiel der der Game-Generation angehörenden Künstler ist das eine. Sie spielen die Computerspiele selbst, arbeiten mit dem Internet und möchten dies nun reflektieren, indem sie dafür eine bildliche Form finden. Spielerisch sind die künstlerischen Lösungen - dazu kommt Ironie. Auf der anderen Seite jedoch steht die Ernsthaftigkeit: der Tod ist nicht mehr spürbar, weil eine Abstumpfung durch die Medien stattgefunden hat und das allgegenwärtige digitale Sterben in den Killerspielen mit den Ego Shootern nicht real ist, also eigentlich nicht stattfindet.

    Die Avatare erhalten nun ihren Todeskampf und eine Art «Nebengeräusche», wie sie mit einem menschlichen Tod einhergehen. Den Avataren indirekt eine menschliche Identität zu geben, scheint ein Anliegen des Künstler-Duos zu sein. Durch das Sterben werden die Figuren zu Persönlichkeiten, die alle einen unterschiedlichen Tod haben.

    Zum digitalisierten Tod und zu den oberflächlichen Computerspielen sagen die Künstler: «Der Tod hat ein grenzenloses Ausmass, das niemals in reine Information/Informatik umgesetzt werden kann. Nichtsdestotrotz kann der Tod als Information (zum Beipiel in einem Spiel) gut symbolisiert und charakterisiert werden. Aber was ist es genau, was dieser informatisierte Tod genau repräsentiert?» Die Antworten geben die Besucher.

    Die Ausstellung dauert bis 24. August.