Annina Zimmermann, Regioartline, zu Fusion Viper und [plug.in], 01.03.05

    Kon-fusion: Wie weiter mit Basel als Medienstadt?
    Die beiden Basler Initiativen zur Vermittlung von Medienkunst, [plug.in] und Viper, sollen auf Druck von Stadt und CMS fusionieren.
    [plug.in] und Viper sollen fusionieren. Das will das Ressort Kultur im Erziehungsdepartement Basel-Stadt und die Christoph Merian Stiftung, gestützt auf eine Studie, die sie zum Jahresende in Auftrag gaben. Die – so die Medienmitteilung – „guten und auch international etablierten Namen [plug.in] und VIPER sollen erhalten bleiben, wobei das Festival nach der Ausgabe 2005 künftig auch als Biennale stattfinden könnte.“

    Das ist zunächst eine gute Nachricht: Grundsätzlich wird nicht gerüttelt am Bekenntnis der Geldgeber zur Förderung und Vermittlung von Medienkunst. Im Gegenteil: Das vorhandene Potenzial in den Bereichen Vermittlung und Reflektion ist unbestritten. Es soll in Zukunft besser genutzt werden durch eine stärkere Fokussierung und Vernetzung: Basel soll als Medienkunststadt Schweiz international propagiert werden.
    Wie und durch wen diese Fusion durchgeführt werden soll, lassen sowohl Studie wie die Fördergremien ungeklärt. Der Ball liegt nun bei den Vereinsvorständen von Viper und [plug.in]. Bis Ende Monat müssen sie zum Fusionsauftrag Stellung beziehen. Wollen Sie von Kanton Basel-Stadt und CMS weiterhin Unterstützung erhalten, dann müssen sie sich offenbar selbst abschaffen bzw. in eine neu zu entwickelnde Struktur überführen.

    Über die Gründe, weshalb weder die strategischen, noch die operativen Leitungen trotz alljährlicher Versuche bis anhin wenig produktiv zusammenarbeiten, wird geschwiegen. Noch interessanter wäre die Frage, ob diese Gründe so wenig substanziell sind, dass sie sich durch finanziellen Druck ausser Kraft setzen lassen. Stadt und CMS sprechen mit der Drohung des Entzugs finanzieller Mittel also ein Machtwort – aber was bedeutet das für die Umsetzung? Wer setzt wen ein, der über die inhaltliche Ausrichtung und personelle Ausstattung der fusionierten Institution entscheidet? Wie wollen zwei Vorstände ihre Angestellten zu einer Leitung zusammen schmelzen, ohne die bestehenden Verträge zu kündigen bzw. aufs Spiel zu setzen? Oder ist es das, was verlangt ist? Und was bleibt vom [plug.in], zum Beispiel, wenn man sein Personal austauscht? Ausser ein ungünstig gelegener Raum und der Ruf, wie knapp man hier gehalten wird – ohne Projektbudget und mit einer Planungssicherheit von wenigen Monaten? Wie soll sich Dynamik entwickeln bei bereits nun jahrelangem zögerlichem Vorgehen – während in Zürich neue Festivals wie zB. das Tweakfest an Fahrt gewinnen?

    Perspektiven der Vernetzung
    Auch ein anderer Aspekt der Studie bleibt diffus: das Verhältnis von Basels etablierten Institutionen (Stadtmarketing: „Culture Unlimited“) und Medienkunst. Bezeichnenderweise fand keiner der Leiter der renommierten Museen und Kunsthallen Zeit für Auskunft zuhanden von Stadt und CMS. Warum eigentlich werden ausgerechnet diejenigen öffentlichen Institutionen von ihren Geldgebern nicht in die Pflicht genommen, welchen die grössten öffentlichen Budgets für Kunstvermittlung zur Verfügung stehen? Genügt das Engagement der öffentlichen Kunstsammlung, während Viper im Gang irgendwo einen Monitor zu tolerieren, der dann montags der Museumsöffnungszeiten wegen noch nicht mal zu sehen ist?

    Überhaupt: die Vernetzung der verschiedenen Akteure untereinander bleibt ohne neuen Input. Werden die Schulen weiterhin ausgerechnet während der Viper miserabel besuchte eigene Programme organisieren? Da gäbe es sinnvollere Kooperationsmodelle, die auch hier Synergien erreicht, die jetzt schon einzufordern durchaus möglich wäre.

    Vermittlung ohne Produktion?
    So käme es auch nicht dazu, dass sich der Kanton Basel vom Zürcher Studienautor die hauseigene Produktion unterschlagen lässt. Basels Schwerpunkt sei nämlich, so bilanziert die Studie, nicht Produktion, sondern Vermittlung und Reflexion. Professor Schiesser, als Leiter der Abteilung Medien und Kunst der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich, möchte Basel das Profil als Produktionsstandort wohl nicht unbestritten attestieren. Dass sich eben ein lokales Team für die Neugestaltung des deutschen Mercedes-Museum gegen internationale Konkurrenz durchgesetzt hat, dass auch das Medienkonzept des Schweizer Pavillion an der Weltausstellung nach einem Wettbewerbserfolg in Basel erarbeitet wird, bleibt unerwähnt. Die hier ansässigen, rasch wachsenden privatwirtschaftlichen Akteure wie iart und tweaklab werden in der Studie weder erwähnt noch befragt.

    Wie auch keine KünstlerInnen zu Wort kamen. Immerhin fünf von 16 Projektförderungen des Bundesprogramms Sitemapping gingen 2004 nach Basel (Zürich: 9; die zwei andern gingen ins Ausland) – und da sind einige der bedeutendsten AutorInnen Basels noch nicht einmal berücksichtigt. Mit xcult hat sich in Basel der einzige Kulturserver der Schweiz etabliert, dem es in jahrzehntelanger Aufbauarbeit immer wieder gelungen ist, Netzkunstprojekte zu initiieren, zu finanzieren und herauszugeben. Orte wie tweaklab und iart und die verschiedenen Abteilungen der Fachhochschule auch den vermittelnden Institutionen Viper und plug.in ist die Bedeutung als Produktionsstätten nicht abzusprechen. Das gibt vor, dass sich diese Aspekte im Bereich von Medienkunst, ja überhaupt von zeitgenössischer Kunst sinnvoll trennen lassen.

    Sie sehen: auch regioartline ist nicht frei von Lokalstolz. Das ist aber nicht das eigentliche Problem. Hauptsächliche Herausforderung für ein Profil der Stadt als schweizweites Kompetenzzentrum Neue Medien ist die föderalistische Struktur der Kulturförderung. Mit ausschliesslich lokalen Mitteln sich schweizweit, ja international Bedeutendes einzukaufen gelingt nicht, wenn Leistungsvereinbarungen nicht auch zwischen Bund und Kantonen verhandelt werden. Da brauchen Viper und [plug.in] Rückendeckung und zudem effizientes Lobbying auch in der Privatwirtschaft, nicht öffentliche Schelte. Und: dass die Geldgeber Stellung beziehen und die Probleme anpacken - evaluieren, was wo es heute schon gut läuft und diese Initiativen rasch, pragmatisch und substanziell unterstützen. Ein eigenes Urteil kann ihnen keine Studie abnehmen.