Samuel Dangel, RegioArtLine, zu Yan Duyvendak, 15.06.09

    Grenzgänger zwischen Videokunst und Theater

    Das Basler [plug.in] dokumentiert das Werk von Yan Duyvendak in einer höchst lebendigen Retrospektive. „Encore“, der Titel der retrospektiv angelegten Ausstellung Yan Duyvendak (*1965) im Basler [plug.in] ist bewusst mehrdeutig gewählt. Das „noch einmal“ reflektiert sowohl die Ausstellung, in welcher der in Genf lebende niederländische Medienperformer seine Arbeiten erneut konzentriert in Basel aufführen wird, als auch den Großteil seiner Werke, die durch Synchronizität von Performer und Medienbild ein „Encore“ nicht zeitlich, sondern räumlich inszenieren. In seinen Performances analysiert Yan Duyvendak (*1965) Identifikationsstereotypen, die durch Massenmedien erzeugt und transportiert werden, indem er mit Bildschirmen oder Leinwandprojektionen interagiert.
    Er versetzt sich in seinen Aufführungen in Popstars, Filmhelden oder Werbefiguren. So zeichnen sich die Performances von Duyvendak, der zwischen 2002 und 2004 dreimal mit dem Swiss Art Award bedacht wurde, dadurch aus, dass er ein illusionistisches Medium – Fernsehen, Video, Film oder Computerspiel – neben sich stellt und das Gezeigte synchron wiederholt oder wie beispielsweise bei „You´re dead!“, 2004 einen ferngesteuerten Avatar mimt, der in einem Computerspiel kämpft.
    Seine Rolle changiert dabei zwischen der eines realen Soldaten und eines virtuellen Kriegers. Für die frappierende Wirkung ist wichtig, dass eine präzise Gleichzeitigkeit von Schein und Wirklichkeit hergestellt wird, damit sich beide Sphären verbinden
    können. Der Blick des Zuschauers ist dann hin und her gerissen zwischen dem Bild und dem Körper des Künstlers.
    In der parallelen, physischen Inszenierung des medial Gezeigten erreicht der Künstler eine übersteigerte Wirkung der Gesten, so dass aus der anfänglichen Identifikation mit dem Protagonisten im Film eine Demontage entsteht, die häufig sehr humoreske Züge trägt.
    Seine Medienperformances funktionieren damit als umgekehrtes und gesteigertes Trompe l´oeil: Er versucht nicht, Realität illusionistisch darzustellen, sondern imitiert hochgradig Illusionistisches. Durch die Rückübersetzung des Medialen in die
    Wirklichkeit kann er eine Lücke zwischen dem Massenmedium und seinem eigenen Körper entstehen lassen, in die sich der analytische Verstand des Zuschauers einnistet.
    Die Ausstellung im [plug.in] wird neben den Live-Performances das Werk von Duyvendak dokumentieren. Nicht nur werden Videos dem Besucher die Möglichkeit geben, die Entwicklung seiner performativen Kunst nachzuvollziehen, sondern auch die weniger bekannte Facetten von Duyvendaks Werk zu entdecken.
    Videos, die nicht von seiner physischen Präsenz abhängen sowie Eingriffe in den Ausstellungsraum, bei denen er die Requisiten seiner Aufführungen verwendet, werden sein installatives Schaffen vorstellbar machen.