Boris Schibler, Basler Zeitung, zur Museumsnacht, 22.01.05

    In dieser Nacht staunten selbst Direktoren über ihre Museen
    DIE MUSEUMSNACHT BIETET UNGLAUBLICHES - EIN ERFAHRUNGSBERICHT
    Klingendes Papier, verblüffte Museumsdirektoren und ein Tutanchamun, der sich im Grab umdreht: All das gibt es fast nur an der Basler Museumsnacht.


    In der Papiermühle sind erst wenige Besucher. Nur das Licht, das den arbeitenden Papierschöpfern einen Hauch Theatralik verleiht, lässt die Besonderheit des Moments spüren. Und das leise Zwitschern und Quietschen, das sich in das Klick-Klack der Mühle mischt. Es sind klingende Papiere, die an einer Leine entlang durch den Raum gehängt werden. Jeder neue Bogen verändert die Geräusche, am Ende dieser Museumsnacht ist die ganze Installation vollendet. Einen schönen, kurzen Augenblick verweilen, dann gehts weiter.


    Ins Plug-In. Die Geräusche dort sind ähnlich, sie erinnern mich an die Kindheit. Es sind die vertrauten Melodien von Computerspiel-Klassikern. Raumschiffe abschiessen habe ich früher oft gespielt, ich setze mich gleich hin - doch nichts geschieht. Ich muss mich erst einweisen lassen bei den Knöpfen und Hebelchen. Ist halt schon länger her, das Raumschiffschiessen.

    Saure Gurke. Während ich über das Älterwerden nachdenke, führt mich die Lichterkette am Rheinufer zur Archäologischen Bodenforschung. Dorthin, wo es gluckert und feucht-modrig riecht. Unten in der Quellenfassung, die Basel vom Mittelalter bis in die 1960er Jahre mit Trinkwasser versorgte, fühlt man sich wie im Film «Der Dritte Mann». Ein klein wenig Gruseln zur Museumsnacht? Nicht schlecht.

    Unterwegs sind jetzt schon mehr Menschen anzutreffen, eine wandelnde Plakatsäule macht auf Vorträge aufmerksam, eine Galerie feiert Vernissage. Auf zum Historischen Museum. Dort gibts Chili für den Magen und anschliessend kann man sich fotografieren lassen. Zwei Frauen kommen aus dem Atelier, lachend über ihr Bild gebeugt: «Du siehst aus, als hättest du in eine saure Gurke gebissen!» Weiter gehts zum Kunstmuseum, das durch die neue Bibliothek führt.
    Dort ist der Besucherandrang gross. Und dort erfährt man auch, dass der Laurenzbau für allerlei Schwierigkeiten sorge und für die Kunsthistoriker eigentlich zu pathetisch sei. Und dass es in einem Lesesaal akustische Probleme gibt wie in einem Konzertsaal. Im Safe lagern jetzt die blauen Arbeitsmappen Jakob Burckhardts anstelle der Tausendernoten, auf denen der Kunsthistoriker samt Mappe abgebildet ist.

    Einzigartig. Dafür stehen im Antikenmuseum wieder die Statuen und Vasen, die ein Jahr lang nicht zu sehen waren. Zwischen ihnen singen die «Dolphins» von der Frau des Potiphar und weswegen sich Tutanchamun im Grab umdreht. Auf Klappstühlen sitzen der Direktor des Hauses und der Konservator der Ägypten-Abteilung davor und lauschen selbstvergessen mit offenen Mündern. Auch diese Bilder sind eine der grossen Qualitäten der Museumsnacht.