Neo-Performer
Yan Duyvendak erweckt im Plug-in Film
und Fernsehen zum Leben
Einmal im Leben ein Filmstar sein! Der Performance-Künstler Yan Duyvendak macht es wahr. Und gerät dabei ausser Atem. Neo. Genau, der aus «Matrix».
Der Auserkorene; der Einzige; der Erwählte und so weiter. «Als ich den Film Matrix zum ersten Mal sah, habe ich mir gedacht: Weshalb bloss fasziniert mich ein Film mit einer derart simplifizierenden Aussage?», erinnert sich Yan Duyvendak, in Holland geborener und in Genf lebender Performance-Künstler.
«Ich wollte austesten, was passiert, wenn ich den ach so einzigartigen Bildschirm-Neo für eine Viertelstunde live verdopple. Danach bin ich zwar körperlich völlig fertig. Aber als Mensch aus Fleisch und Blut gewinne ich am Schluss doch gegen den Filmcharakter», ist der 44-Jährige überzeugt.
Und nicht nur als Mensch, auch als Komödiant: Schon im richtigen Leben ist den Bewegungen und der Mimik des grossgewachsenen Duyvendak etwas Theatralisch-Clowneskes eingeschrieben. HASTEN.
In der Performance «My Name is Neo (for fifteen minutes)» von 2007, die er an der gestrigen Eröffnung seiner Ausstellung im Plugin zeigte, hat er zusätzlich Lacher auf sicher: Wenn Neo im Film durch die Luft gewirbelt wird, dreht Duyvendak synchron auf dem Monitor herumturnend seine Runden; rennt Keanu Reeves durch eine Menschenmenge, hastet der Performer durchs Publikum.
Die Filmhandlung rempelt einen plötzlich ganz spürbar an.
Das Vermenschlichen von Bildschirmhandlung Karaoke quasi, einfach mit Ton und Bild ist eine typische Strategie Duyvendaks: Für die Schau «Encore Retrospective» wiederholte er auch die Performance «Youre Dead!» von 2004, die im Ausstellungsraum als Video dokumentiert ist.
Hier gab er den Protagonisten eines Kriegscomputerspiels und kämpfte sich aus dem nahe gelegenen Brunnenschacht bis ins Plug-in vor.
In «Dreams Come True» lässt er Protagonisten von Casting-Sendungen peinliche Wirklichkeit werden; in «Une soireé pour nous» macht er die Nervosität des Zappens zwischen Céline Dion und Wurstwerbung am eigenen Körper spürbar.
Doch die Auseinandersetzung mit Film und TV gebiert neben Slapstick auch Poesie: Für «Self-Service» von 2006 trägt er den Monitor der Kamerafahrt nach und macht so auch das Abspielgerät zum Teil der Choreografie, während er selbst die Off-Stimme verkörpert.
ZAPPEN. «Ich bin ohnehin nicht begeistert, wenn man mein Werk auf die Medienkritik reduziert. Mich interessiert, wie wir als Menschen mit, durch und neben der medialen Welt existieren», bemerkt Duyvendak.
Die neuesten Arbeiten entfernen sich denn auch vom typischen Wechselspiel zwischen richtiger und Bildschirmrealität. «Ich möchte den Abstand zum Publikum verkleinern.»
Für «Made in Paradise», eine Auseinandersetzung mit 9/11, hat Duyvendak mit dem ägyptischen Performance-Künstler Omar Ghayatt ein physisches Gegenüber inmitten des Publikums. «Wir zeigen nicht mehr Bilder, wir sprechen nur noch darüber», fasst Duyvendak das neue Credo zusammen. Neos Outfit etwa hängt er in der Ausstellung buchstäblich an den Nagel: Die Wände sind gespickt mit Requisiten aus den Performances es ist quasi eine Ahnengalerie der flüchtigen performativen Momente: «Eigentlich habe ich ja auch eine Ausbildung in Bildender Kunst absolviert; Theater und Tanz habe ich erst in Amateur-Abendkursen entdeckt.» Nun kann Keanu Reeves wieder alleine den Einzigartigen geben. Schade, zu zweit hat er uns besser gefallen.